Weinkellerei Cembran
  


Die Geschichte des Weinbaues

Wein ist ohne Geschichte (und Geschichten) nicht denkbar.
Er ist niemals eine flüchtige Zeiterscheinung gewesen. Mal war er gewichtiger, dann wieder etwas belangloser.
Doch immer hatte er seinen Stellenwert in verschiedensten Kulturen.


Über viele Jahrhunderte bestimmte er Leben und Schicksal unzähliger Menschen.

 

Wirtschaftlich und soziologisch, im religiösen und mythischen Bereich, Vergangenheit und Gegenwart sind auf mannigfache Weise mit dem Leben verbunden.


Die Weinrebe kann auf ein erdgeschichtlich beachtliches Alter zurückblicken.
Fossile Funde gibt es aus der Kreidezeit (vor 67 bis 105 Millionen Jahren) und dem Terzier (2 bis 67 Millionnen Jahren). Rebkerne (als Zeugen für die Rebkultur) wurden in Vorats- und Abfallgruben, sowie Grabfeldern der Hallstadt- und Latenezeit in Niederösterreich, Burgenland (z. B. in einem Hügelgrab der Hallstadtkultur von Zagersdorf bei Klingenbach, 700 Jahre v. Chr.) und der Steiermark gefunden.
Sie dokumentieren den urzeitlichen Weinbau in Österreich.

Als Entstehungszentren der Edelrebe Vitis vinifera werden die Gebiete südlich des Kapsischen Meeres und des Zwischenstromlandes (Euphrat, Tigris) bis zum persischen Golf angenommen.
In den ältesten Kulturgebieten an den Flüssen Jordan, Euphrat, Tigris und Nil wurden Wildreben kultiviert und sind als Kulturform nach Süd- und Mitteleuropa gelangt.


Der Anfang des Weinbaues reicht so weit zurück, wie der des Ackerbaues (14.000 bis 10.000 v. Chr.). Phönizier, Griechen und Römer nahmen die Reben über die Mittelmeerinseln entlang ihrer Handelsstraßen an der nordafrikanischen und kleinasiatischen Küste mit und verbreiteten sie bis Spanien, Frankreich, Griechenland und um das Schwarze Meer.
Ausgedehnte Verbreitung fand der Weinbau in Österreich durch die Kelten und Römer, die den Anbau in Österreich forcierten.
Der Weinbau in Österreich kann daher auf eine 3.000 jährige Entwicklung zurückblicken.
Einen der Zeitzeugen stellt auch unser Keller dar, welcher als Weinlager für die nach Osten ziehenden römischen Legionen diente.
Die Gewölbe, in denen wir uns heute befinden haben mit Sicherheit schon 68 v. Chr. bestanden, dazu wird Ihnen jedoch mein Vater, bei der Kellerführung noch mehr erzählen.

Die Römer führten den Weinbau in Österreich zwar nicht ein, aber es kommt Ihnen zweifellos ein besonderer Verdienst für die Entwicklung des heimischen Weinbaues zu.
Überall, wo die Römer als Eroberer hinkamen, brachten sie ihre Lebensart, ihre Sitten und Kultur mit.
Viele Begriffe aus dem Weinbau haben ihren Ursprung im lateinischen Ausdrücken.
Beispiele hierfür sind:" vinum=Wein", "mustum=Most", "cellarium=Keller", "vinitor=Winzer"

 

91 n. Chr. wurde durch Kaiser Domitian der Weinbau aus wirtschaftspolitischen Gründen außerhalb Italiens, Südfrankreichs, der Pyrenäenhalbinsel und des südlichen Balkans einschließlich Griechenlands verboten.
Knapp 350 Jahre später wurde diese Verordnung dann durch Kaiser Probus aufgehoben, wodurch der heimische Anbau wieder ermöglicht wurde.
Die erste urkundliche Erwähnung des Weinbaues in Österreich von 482 n. Chr. verdanken wir der Lebensgeschichte des Hl. Severin.
Der große Aufschwung kam dann 812 durch Karl den Großen der in seinem Capitulare de villis gesetzliche Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft festsetzte.
Auch die Vorbildwirkung der Klöster in Lehre und Praxis brachte einen enormen Aufschwung des Weinbaues.
In der Blütezeit des Weinbaues im 15. und 16. Jahrhundert reichte er bis Ostpreußen und ins Baltikum. Der Weinhandel war für viele eine gute Einnahmequelle. England, Skandinavien und die Ostseeländer bezogen Weine aus Österreich.


Durch das Aufkommen des Bieres, durch hohe Abgabebelastungen und die Folgen des 30jährigen Krieges, kam es im 17. Jahrhundert zu einem Niedergang des Weinbaues.
Probleme bereitete dem Weinbau alter Zeiten die Steuer, sinnigerweise auch "Ungeld" genannt.
Kaiserin Maria Theresia vereinheitlichte später die Besteuerung.
Während ihrer Regierungszeit befand sich die Weinkultur wieder im Wiederaufbau.


Die Reblaus und einige hartnäckige Pilzkrankheiten, welche 1863 aus Amerika unfreiwillig importiert wurden, stellten bald für ganz Europa ein riesiges Problem dar.
Der Großteil der europäischen Weingärten wurde durch den neuen Schädling und die neuen Pilzkrankheiten zerstört.
Die Reblaus, welche die Wurzeln der Rebe abfrißt und diese so um ihre Lebensgrundlage bringt, stellte jedoch den größten Feind der damaligen Winzer dar.


Bald wurde erkannt, daß die einzige Möglichkeit, die Reblaus unschädlich zu machen, darin bestand auf den unterirdischen Teil einer amerikanischen Wildrebe, welche durch die Evolution im Laufe von Jahrtausenden gegen die Reblaus resistent wurde, den oberirdischen Teil einer Europäischen Edelrebsorte aufzupfropfen.
Diese biologische Bekämpfungsmöglichkeit der Reblaus wird Rebveredelung genannt
Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Weinbauschulen in Österreich gegründet.
(1860 Klosterneuburg, 1874 Krems, 1893 Retz, 1895 Silberberg und 1898 Gumpoldskirchen und Mistelbach)


Anfang des 20. Jahrhunderts nahm der Weinbau durch Rebselektion und Neuzüchtungen sowie durch die Auffindung der schon erwähnten reblausresistenten Unterlagen und durch Rebveredelung einen Aufstieg.
1891 wird die Bekämpfung der Peronospara, eine der eingeschleppten Pilzkrankheiten durch Spritzung mit Kupfervitriol erkannt.

Mitte des 20. Jahrhunderts fand die von Lenz Moser aus Rohrendorf bei Krems ausgearbeitete neue Erziehungsform (die Hochkultur) in ganz Österreich Verbreitung.


Die Voraussetzung zu einer weitgehenden Rationalisierung und Mechanisierung des Weinbaues waren somit gegeben.
Seit damals widmete sich die Wissenschaft im Weinbau der Erfindung neuer chemischer Bekämpfungsmittel, sowie der Züchtung neuer resistenteren Rebsorten.


In den letzten Jahren kam man auch im Weinbau zu der Erkenntnis, daß man sich durch die Schaffung einer Nützlingfreundlichen Umgebung im Weingarten sich vieler Schädlinge entledigen kann.
Weiters wird im Weinbau, wie in vielen anderen Bereichen der Landwirtschaft auch, über die vielen neuen Möglichkeiten, welche mit der gezielten genetischen Veränderung des Erbgutes der Reben gegeben wären, diskutiert.
Die Problematik, die damit verbunden sein könnte, sollte uns jedoch mit dem bis jetzt erreichten zufriedenstellen.


Die Geschichte des Weinbaues in diesem Jahrhundert ist auch durch ein restriktives Eingreifen des Gesetzgebers auf dem Gebiet der Weinbereitung und -bezeichnung gekennzeichnet.
Der leistungsfähige, genau kontrollierte Weinbau erbringt heute qualitativ hochwertige und international anerkannte Weine.

 

  Weinkellerei Josef Cembran, Kellergasse 6, 4020 Linz  |  Tel:+43(0)732 / 651 692  |  E-Mail: wein[at]cembran[.]at


Powered by emvs ©2003-2017